24.03.2017


Schnitzmesser statt Legosteine: In Westfalen entstehen immer mehr Waldkindergärten

Westfalen (wh). Waldkindergärten, in denen die Kinder den ganzen Tag in der Natur sind, finden in Westfalen immer mehr Verbreitung. Rund 20 Jahre nach der Gründung der ersten westfälischen Waldkita, gibt es gegenwärtig in der Region knapp 20 dieser Einrichtungen mit mehr als 350 Kindern. Ideen oder konkrete Pläne für neue Waldkitas werden aktuell unter anderem in Bochum, Bünde, Drolshagen, Menden und Raesfeld ausgearbeitet.

Eine Waldkita besteht in den meisten Fällen aus einem Bauwagen oder einem Holzhaus und einem angrenzenden Waldareal. Die Kinder spielen " außer bei extremen Wetterbedingungen " ausschließlich draußen und nur mit dem, was die Natur ihnen bietet. "Puppen oder Legosteine gibt es bei uns nicht", berichtet Gabriele Buhl-Berghäuser, Leiterin des Siegener Waldkindergartens "Die Wiesenpieper". Statt Spielzeuge werden den Kindern Werkzeuge angeboten " vom Messer bis zum Hammer. Damit schnitzen die Kleinen dann Stöcke für eine Ritterburg, bearbeiten Steine oder bauen Staudämme. "Das gemeinsame Spielen und Werkeln in der Natur fördert das Sozialverhalten, Lösungskompetenz und Kreativität", so Buhl-Berghäuser.

Die Vorbehalte mancher Eltern gegen die langen Zeiträume, in denen die Kinder bei Wind und Wetter im Wald sind, kann die Leiterin der Wiesenpieper nicht nachvollziehen: "Viele sagen "die armen Kinder, die immer draußen sein müssen`. Ich dagegen sage, "die armen Kinder, die die meiste Zeit drinnen sein müssen`."

Dass das Interesse an Waldkindergärten gegenwärtig so groß ist, erklärt sich Gabriele Buhl-Berghäuser unter anderem mit einem pädagogischen Über-Angebot, dem Kinder und Eltern ausgesetzt sind: "Das fängt beim Früh-Englisch an und hört beim Kita-Yoga auf. In der Waldkita hingegen geht es zurück zur Einfachheit." Zudem hätten die Einrichtungen für die Kommunen den großen Vorteil, dass sie nur geringe Kosten verursachen: "Es muss ja nicht viel angeschafft werden, weil der Minimalismus ein Teil des Konzeptes ist."

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Pressekontakt:
Landesverband der Wald- und Naturkindergärten NRW e. V., Telefon: 0211/61018497, E-Mail: geschaeftsstelle[at]waldkindergaerten-nrw.de